Wärmepumpe im Altbau: Was im Siegerland funktioniert und was nicht
Die Frage kommt bei uns im Büro fast täglich: Kann ich in meinem Haus von 1974 eine Wärmepumpe einbauen? Die ehrliche Antwort lautet: manchmal ja, manchmal nein, oft mit Auflagen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, woran Sie es selbst erkennen, bevor der erste Handwerker das Haus betritt.
Grundlage
Warum Altbau und Wärmepumpe überhaupt ein Thema ist
Bis vor wenigen Jahren galt: Wärmepumpe ist was für Neubauten mit Fußbodenheizung. Das stimmt so nicht mehr. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen schaffen heute Vorlauftemperaturen von 65 bis 70 Grad, bei manchen Geräten sogar 75 Grad. Damit rücken auch Häuser aus den 70er- und 80er-Jahren in Reichweite.
Trotzdem bleibt der Altbau ein Sonderfall. Wir sehen in Siegen, Geisweid und Weidenau regelmäßig Objekte, bei denen die Wärmepumpe auf dem Papier passt, in der Praxis aber Probleme macht. Zu kleine Heizkörper. Undichte Fenster. Kellerwände, die Wärme direkt nach außen ziehen.
Deshalb ersetzen wir keine Heizung nach Schema F. Jedes Altbau-Projekt braucht eine Einzelfall-Prüfung. Eine falsch dimensionierte Wärmepumpe heizt zwar, frisst aber Strom wie ein schlecht eingestellter Heizstab.
Eine falsch dimensionierte Wärmepumpe heizt zwar, frisst aber Strom wie ein schlecht eingestellter Heizstab.
Eignungs-Check
Für welche Altbauten eine Wärmepumpe funktioniert
Es gibt vier harte Kriterien, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Baujahr, Dämmstand, Heizkörper und Vorlauftemperatur im Bestand. Wenn drei davon passen, ist eine Wärmepumpe meistens machbar.
Das erste Kriterium ist das Baujahr. Häuser ab 1984 haben meist eine Außenwand-Dämmung, die zumindest eine Basis bietet. Bauten zwischen 1977 und 1984 liegen im Graubereich. Vor 1977 muss fast immer zuerst gedämmt werden.
Zweitens der Dämmstand. Stehen die Wände nackt, zieht es durch alte Kastenfenster oder ist die oberste Geschossdecke ungedämmt, rechnet sich die Wärmepumpe nicht. Drittens die Heizkörper: Flächenheizkörper aus den 90ern reichen meist, alte Rippenheizkörper aus den 60ern oft nicht. Viertens die heutige Vorlauftemperatur: Läuft Ihre Gasheizung mit 55 Grad oder weniger, ist eine Wärmepumpe realistisch. Bei 80 Grad wird es eng.
- Baujahr ab 1984 oder nachträglich gedämmt
- Fenster mit Zweifach- oder Dreifachverglasung
- Oberste Geschossdecke oder Dachschräge gedämmt
- Heizkörper im Verhältnis zum Raum großzügig
- Aktuelle Vorlauftemperatur unter 60 Grad
- Platz im Garten oder an der Fassade für das Außengerät
- Technikraum mindestens 1,5 × 2 Meter frei
Klare Absagen
Wann wir von einer Wärmepumpe abraten
Wir verkaufen keine Wärmepumpe um jeden Preis. Es gibt Situationen, in denen wir im Erstgespräch raten: nicht jetzt. Das ist Selbstschutz vor Reklamationen im dritten Winter.
Fall eins: ungedämmtes Fachwerkhaus. Davon gibt es in Geisweid, Weidenau und den Randlagen von Siegen genug. Ein klassisches Fachwerk mit Lehmgefachen und Einfachverglasung bekommt man thermisch nicht sauber geregelt. Erst Bauphysik, dann Heizung.
Fall zwei: Haus mit Elektrospeicher-Heizung ohne Heizwasser-Kreislauf. Der Aufwand ist hier fast Neubau-Niveau.
Fall drei: zu kleiner Technikraum. Eine Wärmepumpe braucht Platz für Hydraulikmodul, Pufferspeicher und Warmwasserspeicher. Das lässt sich lösen, ist aber nicht geschenkt.
Fall vier: Denkmalschutz ohne genehmigte Außeneinheit. Wir hatten Fälle, in denen die Untere Denkmalbehörde die Aufstellung an der Straßenseite untersagt hat. Alternativen wie Sole-Wasser mit Bohrung sind möglich, aber deutlich teurer.
Warnung
Nicht jedes Haus ist reif für die Wärmepumpe
Wenn Ihre Vorlauftemperatur heute bei 75 Grad liegt, die Fenster Einfachverglasung haben und die Fassade ungedämmt ist, sparen Sie sich erstmal das Wärmepumpen-Angebot. Lassen Sie eine Energieberatung machen. Reihenfolge: Gebäude ertüchtigen, dann Heizung tauschen. Alles andere ist verbranntes Geld.
Kostenfreie ErstprüfungVoraussetzung
Heizlastberechnung und hydraulischer Abgleich
Bevor auch nur ein Angebot seriös geschrieben werden kann, braucht es zwei Dinge: eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und einen hydraulischen Abgleich Typ B.
Die Heizlastberechnung zeigt, wie viele Kilowatt Ihr Haus an einem sehr kalten Tag braucht. Viele Altbauten sind historisch mit 24 bis 30 kW Kessel-Leistung ausgestattet, brauchen real aber nur 10 bis 14 kW. Eine auf alter Grundlage ausgelegte Wärmepumpe ist überdimensioniert, taktet ständig und verschleißt schneller.
Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Für eine Gasheizung ist fehlender Abgleich unbequem, für eine Wärmepumpe ein ernstes Problem. Dazu kommt die Heizflächenprüfung: Raum für Raum rechnen wir aus, ob der vorhandene Heizkörper bei 45 oder 50 Grad Vorlauf noch reicht.
Bestandsaufnahme
Baujahr, Dämmung, Fenster, Heizkörper, aktuelle Vorlauftemperatur. Foto-Dokumentation.
Heizlastberechnung DIN EN 12831
Für das gesamte Gebäude, raumweise. Das ist die Grundlage für jede seriöse Geräteauslegung.
Heizflächenprüfung
Reicht jeder Heizkörper bei reduzierter Vorlauftemperatur? Welche müssen getauscht werden?
Hydraulischer Abgleich Typ B
Mit voreingestellten Thermostatventilen. Senkt die nötige Vorlauftemperatur um 5 bis 10 Grad.
Zwischenlösung
Wenn der Altbau noch nicht so weit ist: Gas oder Hybrid
Nicht jeder will oder kann den Sprung sofort machen. Manchmal ist das Haus nicht bereit, manchmal das Budget, manchmal beides.
Variante eins: moderne Gas-Brennwerttherme als Brücke. Neue Gasheizungen dürfen nach aktuellem GEG im Bestand noch eingebaut werden. Eine Brennwerttherme kostet komplett eingebaut deutlich weniger als eine Wärmepumpe und überbrückt 10 bis 15 Jahre, in denen Sie das Haus ertüchtigen.
Variante zwei: Hybridanlage. Die Wärmepumpe übernimmt die Grundlast, bei harten Frosttagen springt die Gastherme ein. Das entschärft die Altbau-Problematik komplett. Die Wärmepumpe kann kleiner dimensioniert werden, die Spitzenlast deckt das Gasgerät.
| Kriterium | Gas-Brennwert | Hybrid | Reine Wärmepumpe |
|---|---|---|---|
| Anschaffung (ca.) | 10.000–14.000 € | 22.000–32.000 € | 25.000–40.000 € |
| Förderung | sehr begrenzt | anteilig | bis 70 % BAFA |
| Eignung Altbau | hoch | hoch | mittel bis hoch |
| Zeithorizont | 10–15 Jahre als Brücke | 15–20 Jahre | 20 Jahre und länger |
Kosten
Was eine Wärmepumpe im Altbau wirklich kostet
Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus-Altbau rechnen Sie mit 25.000 bis 40.000 Euro vor Förderung. Darin enthalten sind Gerät, Pufferspeicher, Warmwasserspeicher, Hydraulikmodul, Montage, Elektroarbeiten, Inbetriebnahme und Entsorgung.
Dazu kommen in vielen Fällen Zusatzkosten: neue Heizkörper (2.000 bis 6.000 Euro), elektrische Ertüchtigung (500 bis 2.000 Euro), Schallschutzmaßnahmen (300 bis 1.500 Euro), gegebenenfalls ein Fundament.
Eine gut ausgelegte Anlage im sanierten Altbau schafft 3,5 bis 4,0. Schlecht ausgelegt bleibt sie bei 2,5 — dann frisst sie die CO2-Ersparnis auf und die Stromrechnung auch.
25–40 k€
Anschaffung
komplett vor Förderung
2–6 k€
Heizkörper-Tausch
falls nötig
JAZ 3,5–4,0
Zielwert
für wirtschaftlichen Betrieb
bis 70 %
BAFA-Förderung
auf förderfähige Kosten
Siegerland
Was bei uns speziell zu beachten ist
Das Siegerland ist kein einfaches Wärmepumpen-Gebiet. Der Talkessel sorgt im Winter für Inversionswetterlagen mit Nebel und Frost. Luft-Wasser-Wärmepumpen müssen bei uns häufiger abtauen als in der Kölner Bucht. Das drückt die JAZ um 0,2 bis 0,4 Punkte.
Dazu kommt der hohe Altbau-Anteil. In Geisweid, Weidenau, Kaan-Marienborn, Trupbach und den Randlagen Richtung Netphen stehen viele Fachwerkhäuser und Hausbauten aus der Zeit der Eisen- und Hüttenindustrie. Die Bausubstanz ist solide, energetisch oft auf dem Stand der 60er-Jahre. Erst prüfen, dann tauschen.
Topografie-Punkt: Viele Grundstücke liegen am Hang. Der Aufstellort des Außengeräts muss Schallschutz-Abstände, Frostschutz und Kondensatablauf zusammen denken. Wir haben Fälle gesehen, in denen der Aufstellort fünf Meter vom Wunschplatz entfernt enden musste, weil der Nachbar sonst im Schlafzimmer das Brummen gehört hätte.
„Im Siegerland bestimmen Tallage, Fachwerk und Hanglage die halbe Wärmepumpen-Entscheidung. Ein Gerät, das im Flachland eine JAZ von 4,0 bringt, liegt bei uns eher bei 3,6. Das muss in die Auslegung rein."
Häufige Fragen
Was oft gefragt wird.
01Kann ich meine alten Heizkörper behalten, wenn ich auf Wärmepumpe wechsle?+
Oft ja, aber nicht immer. Entscheidend ist die Heizflächenprüfung raumweise. Wir rechnen für jeden Heizkörper durch, ob er bei 45 bis 50 Grad Vorlauf noch die nötige Wärme abgibt. In den meisten Wohnzimmern klappt das. In Bädern und schlecht gedämmten Ecken müssen einzelne Heizkörper getauscht werden. Eine Fußbodenheizung ist keine Pflicht.
02Welche Vorlauftemperatur ist für eine Wärmepumpe im Altbau realistisch?+
Gut ausgelegt sind 45 bis 55 Grad im Winter das Ziel. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen schaffen 70 Grad, aber jedes Grad mehr kostet Effizienz. Der hydraulische Abgleich senkt die nötige Vorlauftemperatur oft schon um 5 bis 10 Grad.
03Lohnt sich eine Wärmepumpe bei einem Haus von 1975 ohne Dämmung?+
Ehrlich: meistens nein. Ein ungedämmtes Haus von 1975 hat eine so hohe Heizlast, dass die Wärmepumpe dauerhaft im oberen Leistungsbereich läuft. Die JAZ sinkt, der Stromverbrauch explodiert. Erst Fassade, Dach oder oberste Geschossdecke dämmen. Dann in einem zweiten Schritt die Heizung.
04Wie laut ist das Außengerät wirklich?+
Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen liegen im Normalbetrieb bei 35 bis 45 Dezibel in drei Meter Abstand, leiser als ein Kühlschrank. Problematisch wird es bei hoher Last im Winter. Die TA Lärm gibt nachts 35 Dezibel am Nachbarfenster vor. Aufstellort und gegebenenfalls Schallhaube müssen geplant werden.
05Kann ich eine Wärmepumpe mit Photovoltaik kombinieren?+
Ja, und das ist oft sinnvoll. Die Wärmepumpe kann Überschussstrom in Warmwasser oder den Pufferspeicher laden. Im Sommer und in den Übergangszeiten deckt die PV-Anlage einen relevanten Teil. Im Winter hilft sie wenig. Die Auslegung sollte beides zusammen denken.
06Was passiert, wenn die Wärmepumpe bei minus 15 Grad ausfällt?+
Bei sehr kalten Temperaturen springt in vielen Geräten ein elektrischer Heizstab als Backup ein. Das ist teuer, aber sichert die Wärme. Bei Hybridanlagen übernimmt die Gastherme. Seriöse Planung rechnet mit Normaußentemperatur minus 10 bis minus 14 Grad und kalkuliert den Heizstab-Anteil mit ein.
07Wie lange dauert der Einbau?+
Der reine Tausch in einem vorbereiteten Altbau dauert 5 bis 10 Arbeitstage. Dazu kommen Planungsphase, Fördermittelantrag und Lieferzeit. Von Beratung bis Inbetriebnahme rechnen Sie realistisch mit drei bis sechs Monaten.
08Muss ich meinen Stromtarif wechseln?+
Ja, meistens. Es gibt Wärmepumpen-Stromtarife, die 5 bis 10 Cent pro Kilowattstunde günstiger sind als Haushaltsstrom. Dazu braucht es einen separaten oder kaskadierten Zähler. Die Umstellung dauert 4 bis 8 Wochen.
Konkret bei Ihrem Haus
Wir rechnen das für Sie durch.
Jeder Fall ist anders. Rufen Sie an, wir schauen vor Ort und sagen ehrlich, ob und welche Lösung rechnet.